Fachartikel

Bei den mit einem Stern * gekennzeichneten Artikeln handelt es sich um Auszüge aus meinem Buch, das 2019 erscheinen wird

Mantrailing als Therapie? © by Petra Thoma

Dass Mantrailen zur Therapie bei vielen Problemverhalten, die ein Hund zeigen kann, sehr gut einsetzbar ist, dürfte inzwischen hinreichend bekannt sein.
Das größte der Probleme, das mich seit Beginn meiner professionellen Arbeit mit den Fellnasen vor fast zwanzig Jahren begleitet, ist das der Ängstlichkeit in allen Facetten bis hin zur Panik. Aber — können wir Hunde, die z.B. Panik vor allem und jedem zeigen, über das Mantrailen tatsächlich therapieren?? YES— we can!!
Eines der besten, eindrücklichsten Beispiele für eine erfolgreiche Therapie so eines fellgewordenen Panikbündels ist mein Mädchen „Arwen“. Sie verbrachte die ersten zwei Lebensjahre in türkischen bzw. deutschen Tierheimen und hatte im wahrsten Sinn des Wortes vor allem und jedem Angst, die sich bis zu Panikattacken steigern konnte. Egal, ob es sich um Geräusche jeglicher Art, die nicht natürlichen Ursprungs waren oder Begegnungen mit fremden Menschen,Autos, Fahrräder… handelte — nicht selten endete es mit einem in eine Zimmerecke gedrückten oder auf dem Boden liegenden Hund….
Nachdem sie vier Wochen bei mir war und etwas Vertrauen zu mir aufgebaut hatte, wagte ich die ersten Gehversuche im Mantrailen mit ihr. Wenn sie auch alle Anzeichen von Angst zeigte — die Neugierde und das Vertrauen zu mir waren größer: sie wagte sich, sehr vorsichtig und jederzeit auf Flucht vorbereitet, der Spur nachzugehen und die versteckte Person aus größerer Entfernung anzuzeigen. An diesem Wochenende gelang uns der Einstieg ins Mantrailen. Wann immer sich beim Training in meinem Mantrail-Trainingscenter die Gelegenheit ergab, trailte ich mit Arwen. Alle meine Teams, die mein Mädchen von Anfang an kannten, stellten sich ohne weitere Fragen als VP zur Verfügung. So gelang es mir — oder besser uns — vieles an Ängsten und Unsicherheiten abzubauen. 
Heute — etwas mehr als zwei Jahre nach ihrem Umzug und den ersten Trailversuchen, ist Arwen ein wesentlich sicherer Hund und kann mit angstauslösenden Situationen sehr viel besser umgehen. Sie zeigt mir deutlich: „Eigentlich geht´s da weiter, aber….“ ohne auf Flucht getrimmt zu sein. Ein aufmunterndes: „Komm, wir gehen miteinander“ von mir reicht dann aus und wir überwinden das Hindernis gemeinsam…. So etwas schafft natürlich Vertrauen und ein Zusammengehörigkeitsgefühl.
Wir haben noch ein gutes Stück Arbeit vor uns, aber was wir bisher in der relativ kurzen Zeit geschafft haben, ist enorm.
Ich möchte mich an dieser Stelle noch einmal bei allen unseren geduldigen und vertrauensvollen Helfern bedanken - egal ob Versteckpersonen oder Trainern, unter denen wir trailen durften …. Ohne Euch wäre das nicht möglich gewesen….
Ich wünsche uns und allen unsichern, ängstlichen Hunden Menschen, die durch diesen Beitrag einen Anstoß bekommen haben, ihren vierbeinigen Freunden die Chance zu geben, ihre Problem durch Mantrailen zu minimierten, bzw, aufzulösen…natürlich mit hundeerfahrenen, geduldigen Trainern….
In diesem Sinne: auf viele schöne Trails…

Instructorenausbildung? © by Petra Thoma

Mantrailing erfreut sich immer größerer Beliebtheit. Eigentlich ist das eine supergute Entwicklung, denn es ist DIE Sportart für unsere Fellnasen, bei der sie ihre natürliche Fähigkeiten ausleben können und dürfen. Ohne sportliche Höchstleistungen weiter—höher— schneller vollbringen zu müssen…..
Leider hat die zunehmende Beliebtheit auch einen gravierenden Nachteil: Es springen immer mehr „Mantrail-Trainer“ auf den Zug auf. So werden z.B. Hundehalter, die noch nie zuvor als Hundetrainer gearbeitet und logischerweise auch noch keine fremde Fellnase ausgebildet, ja manchmal sogar sehr wenig bis keine Ahnung vom Hundewesen haben, in die Instruktorenausbildung aufgenommen. Sie müssen ein paar Seminare absolvieren und werden irgendwann ohne weitere Prüfung zu Instruktoren ernannt. Bestenfalls haben sie wenigstens mehr oder weniger Wissen über das Trailen aus den Seminaren mitgenommen. Noch schlimmer sind die freien Trainer oder die von Hundeschulen, die ohne jegliche fachliche Qualifikation oder fundiertes Fachwissen vom Mantrailen diesen wunderbaren Hundesport einfach „mal eben so nebenher“ mit in ihr Programm aufnehmen und irgendetwas machen. Liebe Leute, es ist ja erfreulich und toll, dass ihr euch Gedanken macht, wie unsere Fellnasen vernünftig beschäftigt und ausgelastet werden können — aber nennt eure Aktivitäten z.B.Nasenspiele, Nasenarbeit, Schnüffelspiele…. egal was, aber bitte bitte nicht Mantrailing. Die Gefahr ist groß, dass das richtige Mantrailen dadurch in Verruf gerät. Das hat nicht nur Nachteile für uns professionelle Trainer, sondern kann sich auch für die Arbeit der Mantrailer in den Rettungshundestaffeln negativ auswirken….Und das will ja wohl keiner von uns,oder??
Ich finde es auch sehr, sehr schade, dass manche Trainer und Instruktoren auf dem einmal erworbenen Wissensstand stehenbleiben und nicht in Erwägung ziehen, auch manchmal Seminare und Fortbildung bei Kollegen zu besuchen oder sie zu sich zu einem Seminar einladen. Es schadet nichts und niemandem, wenn mal ein — wohl gemerkt — guter Trainer über die eigene Arbeit mit den Teams schaut. Lernen kann man immer etwas und oft genug wird einem bei so einer Gelegenheit die eigene Betriebsblindheit bewußt….. . Ich bin immer offen für neue Anstöße und durchaus bereit, bei fähigen Kollegen mein Fachwissen zu erweitern und mich mit meiner Arwen beurteilen zu lassen. Oder von ihnen eine Standortbestimmung über die Teams meines Trainingscenters zu bekommen. Nur so kann ich, können wir Trainer, eine optimale, ehrliche und gute Trainingsarbeit abliefern…. . So bin ich froh, dass ich mich im letzten Jahr entschlossen habe, Seminare bei der europaweit anerkannten SAR-Instruktorin Gabrielle Traumtann-Zenoni zu besuchen und sie auch zu Seminaren in mein Trainingscenter einzuladen. Und nachdem sie selbst vor kurzem gute Erfahrungen bei einem FiWi- Seminar gemacht hat, haben wir ins spontan entschlossen, eines gemeinsam zu besuchen…. 
Ihr seht also, wir sind beide offen und bereit, von netten Kollegen dazuzulernen — egal, wieviel Jahre Erfahrungen man auf dem Buckel hat…. Davon profitier nicht nur ich, sondern alle meine Mantrailteams
Ich bin mit diesem Brief sicher einigen Kollegen auf die Füße getreten — sorry — aber das ist meine Meinung und dazu stehe ich …
In diesem Sinne: auf weiterhin viele schöne Trails mit fähigen Trainern….

* Der alte Hund -- Lebensabend in Würde © by Petra Thoma

In einem Tierheim sitzt Joana. Sie ist zwölf Jahre alt, sehr schlank, ihr Fell ist grau und rau. Früher mag sie eine Schönheit gewesen sein. Sie wurde von ihrem Menschen – einem Tierarzt –  zwangsumgesiedelt, weil sie nicht mehr repräsentabel genug für die Rezeption seiner Praxis war....

 Auf dem Spaziergang kommt mir eine ältere Frau raschen Schrittes entgegen. Zehn Meter hinter ihr schleicht ein Jack Russell. Terrier. Auf meiner Höhe dreht sie sich um und ruft: „Komm schon“, wendet sich dann mir zu und erklärt: „Wissen Sie, der ist schon alt.-- Na nun komm schon endlich“. Dann läuft sie weiter, ohne auf ihren vierbeinigen Senior zu warten.....Wie würde sie sich wohl fühlen, wenn sie eines Tages nicht mehr so gut zu Fuß ist und ihre Kinder oder Enkel laufen ihr davon, ohne sich nach ihr umzudrehen? Und wenn doch, dann nur um ungeduldig zu rufen: „ Komm schon Oma, stell dich nicht so an....“

In unserem Hundeauslaufgebiet traf ich lange ab und zu eine junge Frau. Sie hatte immer drei, vier junge Podencas und einen alten Mischlingsrüden dabei. Mit der Zeit wurden ihre Spaziergänge immer kürzer und langsamer, weil der alte Herr zwar noch tapfer mitlief, aber eben nicht mehr so weit und nicht mehr so schnell. Man sah ihm das Alter auch körperlich an. Aber er hatte trotz aller Einschränkungen noch Lebensfreude, auch das  war ihm anzusehen. „Er darf in Würde alt werden,“ meinte ich bei einer unserer Begegnungen. Daraufhin erzählte sie  mir, wie oft sie angegiftet wird, weil sie den Senior nicht endlich „erlösen“ würde..... Einige Tage nach diesem Gespräch verabschiedete er sich von selber ....

 Unsere Hunde begleiten uns, wenn sie als Welpen bei uns einziehen, im Durchschnitt 10 - 15 Jahre. Sie teilen so ziemlich alles mit uns: Freude, Trauer, Angst, Krankheit, Stress und so weiter. Solange sie jung und agil sind, macht es uns auch keine Mühe, mit ihnen umzugehen, schließlich können wir sie überall hin mitnehmen. Sie können, falls gelernt, problemlos allein bleiben. Stundenlange Spaziergänge werden mühelos bewältigt, Hundesport bestens verkraftet. Der Vierbeiner ist beweglich, saust die Treppen rauf und runter, springt mit einem Satz in den SUV und wieder heraus, ist (fast) nie krank, scheint keinen Schlaf zu brauchen…..

 Und dann kommt es, das Alter. Scheinbar von heute auf morgen lassen die Aktivitäten nach. Aber es ist ein langer Prozess, der von uns nicht wahrgenommen wird, vergleichbar mit der nachlassenden Sehkraft unserer eigenen Augen. Die nehmen wir auch erst dann bewusst wahr, wenn die Arme zum Lesen der Speisekarte zu kurz und die Buchstaben zu klein sind....

Die ersten Auffälligkeiten begegnen uns auf dem Spaziergang: Unser Hund spielt vielleicht nicht mehr so viel wie letzte Woche noch oder er trottet nach der halben Runde oder auf dem Rückweg nur noch vor uns her.

Alter hat viel Facetten: Vielleicht mag er bei schlechtem Wetter nicht mehr so gerne raus, vielleicht mag er nicht mehr gerne allein sein. Vielleicht reagiert er auf einmal ängstlich auf z.B. Gewitter oder Silvesterfeuerwerk. Alles Dinge, die bisher kein Problem darstellten.

Oder die Spaziergänge werden aufgrund eingeschränkter Beweglichkeit streckenmässig kürzer und zeittechnisch länger.... Extreme Temperaturen und deren Schwankungen werden nicht mehr so gut weggesteckt.....

Egal was, der Mensch muss jetzt in dieser Situation entsprechend reagieren. Und damit meine ich nicht den so oft gebrauchten Satz:„Da muss er jetzt durch. Das ist nicht zu ändern“. Nein, ich meine  damit, dass ich mein Leben etwas umstellen und auf die Bedürfnissen meines Seniors eingehen muss. Das heißt aber im Umkehrschluss nicht, ihn auf das Altenteil abzuschieben und überhaupt nichts mehr mit ihm zu unternehmen, ihn nach allen Regeln der Kunst zu bedauern und von allem fernzuhalten. Oder nur noch zu verhätscheln und keine Aufgaben mehr zu stellen. Was der Hund im Seniorenalter noch zu leisten vermag, sollte er auch leisten dürfen. 

 Wie körperlich fit und geistig rege er noch ist, hängt neben der genetischen Disposition auch davon ab, wie wir bisher mit ihm umgegangen sind. Ich kenne einige Senioren, die noch „voll im Leben“ stehen.

In diesem Zusammenhang  bleibt mir auch die  damals achtjährige Chiara im Gedächtnis, die zum Spaß im Agility trainiert wurde. Sie erkrankte schwer an Toxoplasmose, erholte sich und wurde danach geschont. Kein Agility-Training mehr, nur noch Spaziergänge..... Chiara wurde  richtiggehend depressiv. Die Halter nahmen die Veränderung wahr und begannen wieder, sehr vorsichtig mit ihr zu trainieren. Die Hündin blühte sichtlich auf und durfte elfjährig, immer noch über den Steg laufen oder ganz kleine Sprünge nehmen, wenn sie mochte.....

Mit dem Alter kommen unweigerlich auch die Wehwehchen und die Tierarztpraxis wird für manchen Hund zum Dauerausflugsziel. Das ist vielleicht für den einen oder anderen Hundehalter schon mal ein Grund, darüber nachzudenken, „ob es sich noch lohnt, denn er ist ja auch schon zehn.....“--  „......ob man sich die Tierarztkosten noch leisten kann. Schließlich steht ja der Urlaub vor der Tür.“

Fairerweise muss es heißen: „Ich hatte all die Jahre so viel Freude mit meinem Hund, jetzt lasse ich ihn nicht im Stich“  Diese Einstellung steht für alles, was der Hund seinem Menschen wert sein sollte und bedarf keiner Erklärung....

Natürlich sprengen je nach Erkrankung und Behandlungskosten viele Tierarztrechnungen manches schmale Haushaltsbudget. Aber da wären wir wieder bei der Überlegung, bevor ein Hund  in den Haushalt einzieht: kann ich mir überhaupt einen Hund leisten? Aber wo ein Wille ist, gibt es (meistens) auch einen Weg.

 Aber jeder Weg ist irgendwann irgendwo einmal zu Ende. 

Für uns Menschen ist es schwer, sich mit dem Gedanken vertraut zu machen, dass der langjährige Weggefährte sich verabschieden möchte oder muss. Loslassen tut weh und ist nicht unbedingt unsere menschlichste Stärke. Ich erinnere mich an eine sehr alte hinfällige Tervueren-Hündin, die von ihrer Halterin über alles geliebt wurde. Sie nahm die Gelegenheit wahr zu gehen, als diese im Urlaub war....

Wenn es dann doch soweit ist und der Tierarzt nachhelfen muss, sind Sätze wie:

„Da kann ich nicht dabei sein“ – „...überall, aber nicht zuhause..“ fehl am Platz. Und noch feiger ist es, seinen Freund in die Tierarztpraxis zu bringen und sich dann zu verdrücken....
Ich kann nur noch einmal wiederholen: Fairerweise muss die Einstellung heißen:

 „Ich hatte all die Jahre so viel Freude mit meinem Hund, jetzt lasse ich ihn nicht im Stich.“ Erweitert um die Worte: „ ...und gehe Deinen letzten Weg mit Dir...“

Wie oben schon erwähnt, begleiten uns unsere Hunde in der Regel ein Jahrzehnt oder länger.  Es sind aufregende Zeiten, je nach Lebensabschnitt fordern sie uns Menschen ganz ordentlich, wenn ich nur an die Sturm- und Drangzeit in der Jugend denke.

Dann kommt die halbwegs gemäßigte Zeit, wenn der Vierbeiner erwachsen ist, die unmerklich in eben den ruhigen, abgeklärten Abschnitt übergeht.

Das Zusammenleben mit dem älter gewordenen, lebensweiseren  Hund ist einfach schön. Weder er noch der Mensch müssen sich oder dem andern noch etwas beweisen. Alle Diskussionen um größere Ungereimtheiten sind ausgestanden, es bleiben vielleicht noch kleinere Reibereien. Aber im Gesamten sind Hund und Mensch zu einer Einheit geworden, gemeinsam gereift an ihren Aufgaben. Zusammengeschweißt durch gemeinsames Erleben.

 

 

* Persönlichkeit und Verständnis © by Petra Thoma

Unter dem Begriff „Persönlichkeit“ verstehen wir die einzigartigen Eigenschaften eines Individuums, durch die es sich von anderen unterscheidet. Während jeder Mensch als eigenständige Persönlichkeit respektiert werden möchte, wird dem Hund allzu oft das Recht darauf abgesprochen.

Egal, welchen Charakter und welches Temperament er aufweist oder für welches Aufgabengebiet er gezüchtet wird oder früher wurde (Hüte-, Jagdbegleit- oder Herdenschutzhund): Es wird erwartet, dass er perfekt auf Knopfdruck „gehorcht“. Während wir Menschen uns das Recht herausnehmen, gute und schlechte Tage zu haben, unsere Stimmungsschwankungen und persönliche Befindlichkeiten ausleben und erwarten, dass unsere Mitmenschen darauf rücksichtsvoll reagieren oder es einfach hinnehmen, wird unseren Hunden dieses Recht allzu oft verweigert.

 Beobachten Sie sich einmal selbst, ganz objektiv: Können Sie akzeptieren, dass Ihr Hund nicht jeden Tag das selbe Verhalten zeigt, Ihnen nicht jeden Tag gleich gut „gehorcht“, nicht jeden Tag die gleich gute Laune hat? Werden Sie in solche Fällen schnell ungeduldig oder im Nachhinein betrachtet vielleicht sogar ungerecht? Sind Sie in einer Hundeschule oder auf einem Hundeplatz? Wie sieht da der Unterricht aus? Wird in jeder Stunde erwartet, dass Ihr Hund und Sie immer die gleiche Leistung erbringen? Werden alle Hunde nach dem gleichen Schema ausgebildet, also über einen Kamm geschoren? Egal, ob Yorkie, Dobermann, Irish Wolf oder Bernhardiner?? Geht der Trainer sowohl auf Ihre Persönlichkeit und Ihr Befinden als auch auf das Ihres Hundes ein? Wenn nicht, dann wechseln Sie schnellstens die Ausbildungsstätte!!

 Jeder Hund hat eigene Persönlichkeitseigenschaften und -merkmale. Wir Menschen sollten nie den Fehler begehen, einen Hund mit einem anderen zu vergleichen. Auch nicht, wenn es sich um dieselbe Rasse oder um Wurfgeschwister handelt. Ich hatte öfter Wurfgeschwister in meinen Welpenkursen und fand es immer spannend  zu beobachten, wie jeder einzelne sich entwickelte. Jeder ist einzigartig und das ist auch gut so.

 Verständnis bedeutet verstehen, sich in andere hineinzuversetzen, mitzufühlen und auf Belange anderer eingehen zu können. Verständnis für Hunde beinhaltet für mich: Respektieren ihrer Persönlichkeit, Verstehen ihrer natürlichen Lebensweisen, Kenntnisse ihrer Kommunikationssignale, ihres Rudelverhaltens, ihrer Bedürfnisse und rassespezifische Charaktereigenschaften. 

Verständnis bedeutet aber auch, seinen Hund bei auftauchenden Verhaltensauffälligkeiten nicht zum „Problemhund“ (die es sowieso nicht gibt) abzustempeln oder abstempeln zu lassen, sondern den Fehler zuerst einmal bei sich selbst zu suchen.

 Für mich als Hundetrainerin gehört immer auch das Verständnis für die Lebenssituation, Befindlichkeit, Wünsche und auch Sorgen des Menschen am anderen Leinenende dazu. Schließlich steht ein Hund-Mensch-Team vor mir, welches meine Hilfe braucht und es würde nicht funktionieren, wenn ich versuchen würde, nur einem Teil dieses Teams zu helfen, während der anderen Teil außen vor bleibt. Die Arbeit mit Hunden schließt immer den Menschen als Partner mit ein. Alles andere ist in diesem Fall dem Menschen gegenüber respektlos.

 

 

* Ein Hund aus dem Tierheim © by Petra Thoma

Mein Nachbar hat einen Freund, dessen Bruder jemanden kennt, der einen Hund aus dem Tierheim geholt hat. Aber – oh je, das ist gar nicht so einfach, der hat ganz schön Probleme mit dem Tier. Na, was will man machen, Tierheimhunde sind halt alle gestört.....“

Das Gerücht, Hunde aus dem Tierheim wären allesamt problembehaftet und schwierig, hält sich genauso hartnäckig wie viel anderer Unsinn im Umgang mit dem Hund. Hier sei gleich eingangs ganz deutlich gemacht: „Tierheimhunde kann man nicht alle über einen Kamm scheren – sie sind nicht alle pauschal gestört“.

 Ich höre immer wieder von Kunden, die ihren Hund von einem Züchter haben: „Wir hatten uns auch überlegt, einen Hund aus dem Tierheim zu holen, aber wir haben es uns nicht zugetraut....“

Vor allem Ersthundehalter haben Angst  einen Hund aus dem Tierheim nach Hause zu holen, weil sich eben dieses Gerücht: „Die haben ja alle einen Knacks“ immer noch in vielen Köpfen hält. Es ist in dieser Beziehung wie im richtigen Leben: Das Negative bleibt haften, das Positive geht unter. Dabei ist das Zusammenleben mit Tierheimhunden nicht zwangsläufig komplizierter und setzt nicht zwingend mehr Konsequenzen und Arbeit voraus wie bei einem Welpen, der aus einer guten Zucht stammt. Auch ein Vierbeiner aus einer sogenannten seriösen Zucht kann Probleme – sei es im Verhalten oder gesundheitlich – entwickeln.

Das, was der Tierschutz- oder Tierheimhund je nach seiner Vorgeschichte mit Sicherheit mehr braucht, als ein Welpe, der wirklich gut behütet bei einem guten Züchter die ersten Lebenswochen verbracht hat, ist mehr Zeit, Geduld und Verständnis.

Natürlich haben genug Vierbeiner, die im Tierheim auf ein neues Zuhause warten, ein „Feind-Thema“. Eine Vorgeschichte, die sie zu dem gemacht hat, was sie in diesem Moment sind. Die Gründe, die zu ihrer Zwangsumsiedlung geführt haben, oder  besser gesagt, die angegeben werden, sind vielfältig: Umzug, Wechsel der Arbeitsstelle oder Arbeitszeit, oder Familientrennung. Es wird aber auch zugegeben, „keine Nerven“ mehr für den „anstrengenden Hund“ zu haben. Besonders beliebt ist die Angabe von „plötzlich aufgetretener Allergie auf  Hundehaare“, auch und besonders dann, wenn der Hund schon älteren Semesters ist.

Ich möchte hier an dieser Stelle niemandem etwas unterstellen, der seinen Vierbeiner wirklich schweren Herzens in Tierheim abgegeben hat, weil es ihm wirklich unmöglich war, weiterhin sein Leben mit ihm zu teilen. Und weil es eben keine andere Möglichkeit gab, ihn unterzubringen. 

 Aber diese Fälle sind weitaus seltener und abgesehen davon sind viele der Begründungen und Geschichten, die bei Zwangsumsiedlung der Hunde ins Tierheim angeführt und erzählt werden, oft sehr fadenscheinig. Oder schlicht unwahr.  

Aber ob das Vorleben der Vierbeiner nun bekannt ist oder nicht, spielt eigentlich keine Rolle. Der Mensch sollte ihn dort abholen, wo er steht und sich auf ihn und seine momentanen Bedürfnisse einlassen.

Das heißt aber weder, ihn übermäßig zu verhätscheln nach dem Motto. „Du armes Tier, hast schlechte Erfahrung gemacht. Jetzt sollst du es gut haben....“ noch, ihn mit übermäßigem Eifer erziehen zu wollen nach der Devise: „Nur nichts falsch machen, sonst kommt es zu Problemen...“ Und schon gar nicht, ihm mit Härte und Intoleranz zu begegnen, damit „er von vorn herein weiß, wer Chef ist“.

Zwischen all diesen Extremen sollte der goldene Mittelweg gefunden werden. Wie bei einem „normalen“ Hund auch.

Einen großen Anteil, daran, dass sich das hartnäckige Gerücht vom „schwierigen Tierheimhund“ hält, hat die Vermittlungspraxis mancher Tierheimmitarbeiter. Oft fehlt  auch schlicht die Zeit, sich mit den Interessenten gründlich und ausgiebig auseinander zu setzen. 

Aber leider führen auch Fehleinschätzungen des Hundes aufgrund mangelnder Fachkenntnisse der Tierheimmitarbeiter zu Fehlvermittlungen. Und ganz heiß ist es, wenn die wichtigste Frage, die den Interessenten gestellt wird, lautet: „Haben Sie ein Haus mit Garten?“. 

Aber ein Garten nutzt nichts, wenn dem Vierbeiner Beschäftigung und Ansprache fehlen und er auf sich allein gestellt um das Haus herum nach Ersatzbeschäftigung sucht. Und sei es nur, die frisch eingepflanzten Blumen auszubuddeln oder den Rasen umzupflügen auf der Suche nach Kaninchen. Beides stößt in der Regel nicht auf die Begeisterung seines Menschen. Oder die am Grundstück vorbeigehenden Passanten werden unter lautem Kommentar am Zaun entlang „begleitet“. Oft sehr zum Ärger der Nachbarn. Und schon hat der Vierbeiner den Stempel " der ist ja doch gestört..." weg....

Die nächste wichtige Frage vor einer Vermittlung lautet: „Ist den ganzen Tag jemand zuhause?“ Es schadet einem Hund nicht, wenn er mal stundenweise allein ist. Ich meine damit keine acht bis zehn oder zwölf, sondern zwei bis vier oder fünf Stunden. Hunde ruhen naturgemäß viel (wenn sie die Gelegenheit dazu haben) und das brauchen sie auch für ihr Nervenkostüm. Wenn die Freizeit dann dem Hund gehört und sinnvoll ausgenutzt wird, hat er sehr viel mehr davon, als wenn jemand den ganzen Tag um ihn herum und doch nicht für ihn da ist. Oder der ihn den ganzen Tag bespasst....

 Ich hatte und habe viele Hunde aus dem Tierschutz in meiner Hundeschule oder im Mantrailing-Training, mit und ohne „Thema“. Ich freue über jeden Hundefreund, der einem Vierbeiner aus dem Tierheim eine Chance gibt, zu zeigen, dass das Gerücht vom „gestörten Hund“ eben nur ein Gerücht ist.

 Ich selbst habe alle meine Hunde – sowohl vor, wie auch während  meiner Hundeschulzeit – aus dem Tierheim geholt und habe nur gute Erfahrungen mit ihnen gemacht.

 

.... da war doch noch ein Hund dabei © by Petra Thoma

Wenn ich heute mit meinem Mädchen „Arwen“  durch Wald und Flur spaziere, zeigt sie mir viele Dinge, die sie entdeckt und spannend findet. Ich weiß in der Regel, wo sie sich gerade herumtreibt und was sie dort macht…. denn ich bin mit all meinen Sinnen bei meinem Hund. Wie anders sieht es bei manchem Hundler aus, dessen Vierbeiner irgendwo irgendetwas macht, weil sein Mensch anderweitig schwerstens beschäftigt ist: sein Blick haftet ohne Unterbrechung auf einer Kleinigkeit, die er in der Hand hält: Das HANDY…Es wird entweder gequatscht, gelesen oder getippt, was das Zeug hält…der Vierbeiner wird dabei zur Nebensache. Wie oft steht plötzlich ein fremder Hund vor mir und meinem Mädchen….und sein Mensch ist weit und breit nicht zu sehen, weil er irgendwo im Gelände steht und ein „unheimlich wichtiges“ Telefonat führen muss. Oder der Vierbeiner wuselt im Bestreben um ein bisschen Aufmerksamkeit um seinen Menschen herum — leider vergebens…. denn der ist ja damit beschäftigt, die richtigen Buchstaben auf seinem Handydisplay zu treffen ….. Hallo Leute, die ihr so furchtbar wichtig seid, dass ihr nicht einmal für die kurze Zeit von ein- oder eineinhalb Stunden das Ding in der Tasche lassen könnt: Die Zeit mit unseren Fellnasen ist sehr begrenzt, sie haben nicht 5o, 6o oder mehr Jahre, die sie mit uns verbringen. Im besten Fall sind es 16 oder vielleicht 17…Und sie sind in der Regel auch nicht 24 Std. mit uns zusammen… da sollte DIE Zeit, die wir mit ihnen verbringen, auch uneingeschränkt ihnen gehören. Es ist doch nicht zuviel verlangt, das elektronische Spielzeug in der Tasche oder im Auto zu lassen und sich mit allen Sinnen auf seinen Vierbeiner einzulassen, sich mit ihm zu beschäftigen…. .Der Phantasie sind dabei keine Grenzen gesetzt. Und vielleicht merkt ihr ja, befreiend es ist, mal nicht „online“ mit Gott und der Welt sein zu müssen… sondern einfach nur „online“ mit eurem besten Freund…. Ich wünsche es euch….

 

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H.-Zapfweg 15
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(c) Texte: P.Thoma

(c) Bilder: P.Thoma

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